Nachfolgeregelung Schaffhausen - Interview Bruno Etter, Teil 1

 

Bruno Etter im Interview: Seine Geschichte, seine Erfahrung und seine Tipps zur Nachfolgeregelung.

Vor vielen Jahren ereilte die Familie Etter ein Schicksalsschlag. Sohn Bruno Etter musste damals in die Fussstapfen seines Vaters treten, um das Lebenswerk des Vaters aufrecht zu erhalten. Im Interview berichtet er von der schweren Zeit, teilt seine „lessons learned“ und gibt konkrete Tipps zur Nachfolgeregelung.

Herr Etter, haben Sie sich je mit dem Thema Nachfolge beschäftigt, bevor es für Sie selbst konkret wurde?

Ja, ich habe mich während meiner Studienzeit mit dem Thema beschäftigt und wusste, dass das auch für uns relevant werden würde. Damals waren diese Gedanken allerdings noch sehr unkonkret. Wie viele andere Menschen dachte ich „das dauert noch“ und war überzeugt davon, dass mein Vater noch fit sei und die Firma – sein drittes Kind – noch viele Jahre weiterführen wird. Mein Vater hat sich sehr stark mit der Firma identifiziert, sodass bei mir gar nicht erst der Gedanke aufkam, dass er in absehbarer Zeit loslassen würde. Das Schicksal belehrte mich eines Besseren.

Sie haben selbst lange Zeit im Unternehmen Ihres Vaters gearbeitet. Haben Sie während dieser Zeit bereits Verantwortung übernommen?

Glücklicherweise ja. Ich habe damals Schritt um Schritt mehr Aufgaben und Verantwortung übernommen. Im Alter von 38, nach 10 Jahren in der Firma, war ich stellvertretender Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrats. Ich hatte Mitarbeiterverantwortung, betreute die wichtigsten Kunden und leitete grosse Projekte. Jedoch, und das ist für den weiteren Verlauf meiner Geschichte entscheidend, hatte mein Vater immer das letzte Wort. Er folgte meinen Vorschlägen zu 98 % jedoch war es seine Firma, nicht meine.

Kurze Zeit später ereilte Sie dann der Schicksalsschlag. Wie fühlte sich die Übergangsphase für Sie an?

Als mein Vater krankheitsbedingt die Firma nicht länger leiten konnte, war für alle klar, dass ich jetzt in der Verantwortung stand. Meine Aufgabe war es, sein Lebenswerk für ihn, die Familie, die Mitarbeiter und die Kunden in seinem Sinn aufrecht zu erhalten. Gefragt hat mich keiner. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich in dieser Zeit sehr einsam gefühlt. Es war natürlich ein Vorteil, dass ich in der Firma bereits viel Verantwortung und Einfluss hatte und es war schön, die Dankbarkeit für mein Engagement zu spüren. Dennoch ist es sehr schwer, von heute auf morgen die letzte Instanz zu sein. Ich musste nun Entscheidungen ohne das OK meines Vaters treffen. Die (Streit-)Gespräche mit ihm fehlten mir sehr und auch wenn mir von allen Seiten Unterstützung angeboten wurde, war ich allein. Ich hatte keinen echten Gesprächspartner oder Coach. Man bekommt viele Ratschläge, doch entscheiden muss man selbst.

War das die grösste Herausforderung für Sie?

Es ist schwer zu sagen, was die grösste Herausforderung war. Zunächst war da die Identitätsfrage: Ich hatte immer noch das Gefühl, im Sinne meines Vaters handeln zu müssen, schliesslich war das seine Firma. Und gleichzeitig wusste ich, dass das auf Dauer nicht gut gehen konnte. Ich war ein Arbeitstier und habe mich für die Firma und die Mitarbeiter aufgeopfert, aber ich durfte auch mich selbst nicht vergessen. Es hat eine Weile gedauert, den Sprung vom Sohn zum Chef zu schaffen. Überdies gab es leider noch familiäre Probleme, da der Nachlass meines Vaters ein gewisses Konfliktpotential bot.

Ohne zu genau auf Ihren familiären Konflikt einzugehen: Wie wichtig ist die Regelung des Nachlasses?

Sehr wichtig! Mein Vater wollte damals gerecht sein und hat dadurch erst, unwissentlich, das Konfliktpotential erzeugt. Ich kann nur an alle Unternehmer appellieren, die Themen Nachfolge und Nachlass schon in guten Zeiten aktiv anzugehen. Die geschäftlichen und finanziellen Verhältnisse offenzulegen, fällt vielen Unternehmern schwer. Ich kann das gut verstehen – und dennoch sollten Eltern im Sinne ihrer Kinder handeln und sich der Herausforderung stellen.

Würden Sie, rückblickend betrachtet, heute wesentliche Dinge anders angehen? Und haben Sie konkrete Tipps?

Ja, ich würde viel früher aktiv das Gespräch mit meinem Vater suchen. Allen, die sich in Zukunft mit dem Thema Nachfolge befassen müssen, gebe ich gerne folgende Tipps an die Hand:

  1. Entwickeln Sie schnellstmöglich einen Plan B für den Fall, dass der Vater plötzlich ausfällt. Dieser Plan muss nicht in Stein gemeisselt sein und kann über die Jahre – je nach Ausgangslage – angepasst werden.
  2. Denken Sie an einen Plan B / 2 für den Fall, dass der geplante Nachfolger unerwartet ausfällt. Wäre ich damals nicht da gewesen…ich wüsste nicht, wie es um die Firma gestanden hätte.
  3. Erstellen Sie mithilfe eines Experten ein klares Testament. Die Nachlassregelung kann kompliziert sein. Um familiäre Konflikte zu vermeiden, sollte sie nicht eigenständig bewältigt werden.
  4. Definieren Sie die Rollen innerhalb der Familie klar und legen Sie fest, wer nach dem Generationswechsel für welche Aufgaben zuständig ist.
  5. Entwickeln Sie einen Zeitplan und planen Sie den Wechsel im Vorfeld. Dieser Plan kann selbstverständlich dynamisch angepasst werden; wichtig ist, überhaupt einen Plan zu haben.
  6. Seien Sie sich bewusst, dass die Nachfolgeregelung ein sehr langwieriger Prozess sein kann – umso wichtiger ist es, das Thema frühzeitig aktiv anzugehen.
  7. Arbeiten Sie als potentieller Nachfolger schon jetzt an Ihrer persönlichen Entwicklung, um nachher nicht das Gefühl zu haben, überfordert zu sein. Stehen Sie zu Ihren Schwächen und arbeiten Sie daran!

Überdies rate ich, externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein erfahrener Experte kann Ihnen wertvolle Tipps geben und Sie mit seiner Erfahrung wertvoll unterstützen, schliesslich ist die Nachfolgeregelung sehr individuell. Ein Patentrezept gibt es nicht.

Gerne stehe ich Ihnen mit meiner Erfahrung, meinem Wissen und meinem Netzwerk an Fachspezialisten beratend und unterstützend zur Verfügung, um die relevanten Aspekte und Herausforderungen bei der Nachfolgeplanung/-regelung zu meistern. Dabei verspreche ich Ihnen meine volle Diskretion.

(Das Interview wurde durch fit for profit GmbH geführt)